14. Mai 2021 15:30

Sollen sie, oder sollen sie nicht?

Erst im März hat Tesla Bitcoin als Zahlungsmittel zugelassen. Jetzt will der Chef des Elektropioniers Tesla Bitcoin als Zahlungsmittel wieder verbieten. Eine überraschende Kehrtwende. Nicht nur für Deine Bezahldienstleister wie PayPal wirft das die Frage auf: Soll man Bitcoin als Zahlungsmethode zulassen, oder nicht. Für beides gibt es gute Gründe. Wie schätzt Du die Lage ein? 

Und auf einmal war er wieder weg, der Bitcoin. Tesla-Chef Musk hat in einem Tweet unmissverständlich klar gemacht, dass er den Bitcoin derzeit nicht länger als brauchbare Zahlungsmethode sieht. Die Bitcoin-Produktion (Schürfen) und Transaktionen mit dem Krypto-Urgestein würden schlicht zu viel Energie verbrauchen, die durch nicht erneuerbare Quellen erzeugt werde. Vor allem Kohle wird im Tweet als Treibhausgas-Treiber genannt. 

Erstaunlich bei all dem ist vor allem der Zeitpunkt: Tesla hatte erst Ende März Bitcoin als Zahlungsmittel zugelassen…

Musk bleibt Kryptos treu

Als grundsätzliche Abkehr von der Kryptowährung Bitcoin oder gar von Kryptowährungen generell will Musk seine Meinungsänderung nicht verstanden wissen. Musk hält Kryptowährungen nach wie vor auf vielen Ebenen für eine zukunftsträchtige Idee. Aber eben nicht auf Kosten der Natur. 

Tesla will seine Bitcoins im Volumen von über einer Milliarde Euro nicht verkaufen. Auch als Bezahlmethode will man sich nicht endgültig vom Bitcoin lossagen. Vielmehr abwarten, bis sich Bitcoins stärker auf Basis erneuerbarer Energiequellen produzieren (minen) und transferieren lassen. Derzeit wird vor allem in China stark nach den derzeit gut 41.000 Euro teuren Coins geschürft. Und das eben auf treibhausgasfördernder Kohlebasis. 

Musk folgt Gates 

Mit der doch überraschenden Kehrtwende folgt Techpionier Musk inhaltlich Microsoft-Gründer Bill Gates. In einem Clubhouse-Interview mit dem CNBC-Moderator Andrew Sorkin zu Bitcoin sprach sich der 65-Jährige Gates gegen das 2007 von Satoshi Nakamoto erfundene Bezahlsystem aus. 

Verbraucht mehr Strom als Argentinien

Die Bitcoin-Generierung verbraucht mehr Strom als jede andere Methode“, so Gates. Tatsächlich ist die Rechenkapazität, die von den Minern zur Verfügung gestellt wird, ein wahrer Stromfresser. Eine Cambridge-Studie der BBC hatte Anfang des Jahres errechnet, dass das weltweite Bitcoin-Netzwerk mehr Strom verbrauche als ganz Argentinien mit seinen 45 Millionen Einwohnern zusammen.

Musk selbst schrieb in seinem viel beachteten Tweet, dass man aktuell nach einer Alternative zu Bitcoins suche. Voraussetzung sei, dass sie weniger als 1 Prozent der Energie benötigen soll, die Bitcoin aktuell für Transaktionen brauche. 

Bitcoin macht 42 Prozent des Kryptomarktes aus

Der Krypto-Markt reagierte auf Musks Tweet verschnupft. Die Kurse fielen teilweise ebenso rapide ab wie sie noch vor wenigen Wochen durch Tweets von eben diesem Elon Musk befeuert wurden. Dennoch bleibt der Kryptosaurier Bitcoin der Platzhirsch in der Kryptowelt. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 775 Milliarden Euro hält man 42 Prozent des Gesamtmarktes von insgesamt € 1,846 Billionen und ist immer noch mehr als doppelt so wertvoll wie die Nummer 2, Ethereum, die mit 362 Milliarden Euro zu Buche schlägt. 

Tesla nur der Anfang?

Wenn eines der größten Tech-Unternehmen (Tesla) der wichtigsten Kryptowährung das Vertrauen auf Bezahlebene entzieht, dann ist das etwas, das in der Online- und Finanzwelt Staub aufwirbelt. Es bleibt die Frage, wie es mit dem Bitcoin weitergeht.  

PayPal glaubt an Bitcoin

Erst im Januar hatte Dein Bezahldienstleister PayPal den Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert. Auch amerikanische Amazon-Kunden können seit einiger Zeit via Bitcoin auf Shopping-Tour gehen. Dennoch sind Kryptowährungen als Zahlmittel im Alltagsleben noch eher eine Seltenheit. Derzeit werden sie mehr als Spekulationsobjekt gehandelt.

Dabei spricht einiges dafür, dass die Kryptos auf kurz oder lang einen fixen Platz im Bezahlalltag einnehmen könnten. Denn die Vorteile gegenüber dem sogenannten Fiat-Geld, also unseren herkömmlichen Währungen wie Euro, Dollar, Pfund, Franken, sind vielschichtig. 

Vieles spricht für Kryptos

Zum einen gibt es weit mehr Menschen, die Zugang zu Internet und Smartphone als zu einem Banksystem haben. Die rein online gehandelten Kryptowährungen lösen dieses Problem. Zudem können Transaktionen via Kryptos sofort abgewickelt werden. Die Bedeutung von Dritten Personen wie beispielsweise Banken ist somit dahin. Und damit auch ein Gutteil der Gebührenlast für deren Service. 

Aber der vielleicht wichtigste Vorteil ist der Wegfall durch Kursmanipulationen: Kryptowährungen werden dezentral durch die Blockchain-Technologie verwaltet. Dadurch können nicht einfach Regierungen oder Notenbanken neues Geld drucken lassen. Genau dieses Gelddrucken sorgt nämlich letztlich für Inflation. Warum? 

Wenn eine Notenbank Geld druckt, erhöht sie die Geldmenge. Was im Übermaß vorhanden ist, ist weniger wert. Bei gleicher Nachfrage kommt es also zur Geldentwertung, der Inflation. Mit vielen Kryptos kann man sich gegen diese Inflation schützen. 

Und noch ein Vorteil sei erwähnt: Dank Blockchain-Technologie kann man Zahlungen auch an Bedingungen knüpfen. Das geht durch sogenannte Smart Contracts. Das sind Verträge, die ohne Mittelsmann abgeschlossen werden. Diese lassen sich in Form von Protokollen zum Beispiel in die Ethereum-Blockchain einsetzen. Vielleicht braucht man also beim Grundstückskauf künftig keinen Notar mehr und die Blockchain sorgt für die entsprechende Dokumentation.

Doch zurück zum Start: Dem Bitcoin. Deinen Unternehmen. Dem Stromverbrauch. Und der Frage der Woche: Sollen Deine Unternehmen Bitcoin als Zahlungsmittel zulassen? Wir sind gespannt, was Du zum Thema sagst.

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