7. Mai 2021 15:30

“Mama, darf ich Instagram?”

Nicht nur unter den Erwachsenen dieses Landes erfreut sich Instagram als soziales Medium großer Beliebtheit. In Österreich und Deutschland ist die App nach WhatsApp und YouTube die am häufigsten genutzte Anwendung der Kinder und Jugendlichen. Eine Umfrage von dem Verband Internet Service Providers Austria (ISPA) und Saferinternet.at verrät: 84 Prozent der 11- bis 17-Jährigen aus Österreich nutzen die Foto-App. In Deutschland zählt Instagram laut Jim-Studie 2019 von 35 Prozent der 12- bis 19-Jährigen zu den beliebtesten Apps. Und das obwohl das Mindestalter der herkömmlichen Instagram-App bei 13 Jahren liegt. 

Nun plant Facebook also den nächsten Schritt und will eine Instagram-Version für unter 13-Jährige einführen. Damit Personen unter 13 Jahren die App sicher nutzen können, will man den Datenschutz verbessern und ein sicheres App-Erlebnis garantieren. 

Die Altersbeschränkung ist keine Hürde

Der Projektleiter von Safeinternet.at, Matthias Jax, weiß, wovon viele Eltern nichts wissen: Obwohl Instagram offiziell erst ab 13 Jahren genutzt werden darf, tummeln sich schon heute viele Jüngere auf der App. Entweder mit eigenem Account oder mit Smartphones von älteren Freunden. Denn auch die Jüngeren sehen gern dabei zu, was ihre großen Vorbilder den ganzen lieben langen Tag so treiben. 

Mit der Kinderversion könnten sie offiziell einen eigenen Account haben. Wenn auch eingeschränkt. 

Verschärfter Jugendschutz

Erst vor kurzem verkündete Instagram, seine Kinder- und Jugendschutzmaßnahmen verschärfen zu wollen. So plant man mehr Maßnahmen zu ergreifen, um frühzeitig zu erkennen, wenn sich Kinder unter 13 Jahren einen Account erstellen.

Zum Schutz vor ungewollten Kontaktanfragen werden Erwachsene zudem daran gehindert, Nutzer im Alter unter 18 per Direktnachricht anzuschreiben, wenn diese ihnen nicht schon folgen. Außerdem will Instagram Jugendliche bei der Anmeldung dazu bewegen, ihre Accounts privat zu lassen. Das heißt, dass Inhalte nur für andere Nutzer sichtbar sind, die man akzeptiert hat. Dabei bleibt die Insta-Version für Kinder jedoch noch unerwähnt. 

Facebooks Argumente

„Immer mehr Kinder fragen ihre Eltern, ob sie Apps beitreten können, die ihnen helfen, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben“, so Facebook-Sprecher Joe Osborne. „Im Moment gibt es nicht viele Optionen für Eltern. Deshalb arbeiten wir daran, zusätzliche Produkte zu entwickeln, die für Kinder geeignet sind und von den Eltern verwaltet werden – so wie wir es bei Messenger Kids getan haben.“

Bei Messenger Kids handelt es sich um eine eigene App-Version für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, die einige Kontrollmechanismen für Eltern bietet. Sie können den Account ihrer Kinder anlegen und verwalten und auch das Hinzufügen von Freunden überwachen. So weit so gut, doch was spricht nun gegen die Kinder-Accounts?

Man kann nicht alles kontrollieren

Einerseits die Sicherheit: Die Kinderdaten würden laut Facebook zwar nicht für Werbung ausgewertet. Doch auch in den besser geschützten Kinder-Apps rutschen mitunter ungeeignete Inhalte durch. Messenger Kids stand etwa in der Kritik, nachdem ein Vorfall bekannt geworden war, bei dem Kinder mit Kontakten chatten konnten, die ihre Eltern zuvor nicht genehmigt hatten.

Wo bleibt die Kindheit?

Und andererseits die Ethik an sich. So könnte man meinen, dass Kinder nicht zu viel Zeit im Netz abhängen, sondern lieber raus gehen, Freunde treffen und “echte Sachen” unternehmen sollten. Dazu meldete sich nach Einführung von Messenger Kids in den USA eine Gruppe von rund 100 Aktivisten zu Wort. Im Rahmen Kampagne für eine werbefreie Kindheit (CCFC) richtete sie einen offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg, die App wieder einzustellen. Es sei wissenschaftlich bewiesen, dass die „exzessive Nutzung von digitalen Geräten und Sozialen Netzwerken Kindern und Teenager Schaden zufüge”, lautete ihr Argument. 

Die US-Forscherin Priya Kumar kritisiert Facebook dafür, bereits so junge Menschen an ein soziales Medium heranzuführen und es normal erscheinen zu lassen, dass sich mit Followern und Likes Geld verdienen lässt.

Auf der anderen Seite weiß sie von der Anziehungskraft, die die Erwachsenen-Plattform auf Kinder hat. Als Beispiel führt sie an, dass viele Kinder lieber das Angebot von YouTube für Erwachsene nutzen anstatt auf der YouTube Kids Plattform zu bleiben. „Nur weil es ein Netzwerk für Kinder gibt, heißt das nicht, dass die Kinder auch dort bleiben.“

Du bist gefragt!

Was also tun? Eine eigene Kinderplattform für mehr Sicherheit, oder keine eigene Kinderplattform mit der Hoffnung, dass die Kids mehr draußen spielen, aber auch mit der Gefahr, dass sie gleich auf die für sie unsichere Elternversion wechseln. Was meinst Du? Lass es uns in den Kommentaren wissen und stimme ab! :-)

Verdien’ an Deinem Alltag!

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