21. Juni 2021 14:30

Auch über den Wolken ist ESG ein Thema

Das als „The Boeing Company“ bezeichnete Unternehmen produziert unter anderem zivile und militärische Flugzeuge, Hubschrauber, Trägerraketen und Satelliten. Gemeinsam mit dem europäischen Mitbewerber Airbus bildet Boeing das Duopol für Großraumflugzeuge.

Über 140.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von 58,1 Milliarden US-Dollar. Damit zählt Boeing mit Hauptsitz in Chicago zu den größten Unternehmen der der Branche. Schauen wir uns an, wie groß ESG beim Flugzeugbauer geschrieben wird.

Ein Blick in die Historie

Der Ingenieur W. E. Boeing begann 1915 in Seattle zusammen mit seinem Kollegen George Conrad Westervelt die Arbeit an einem ersten Flugzeug, dem B&W Seaplane, einem Wasserflugzeug aus Holz, Leinen und Draht. Als Westervelt die Mitarbeit an dem Projekt aufgab, stellte Boeing die ersten beiden B&Ws ohne seine Hilfe fertig.

Den Erstflug mit der ersten Bluebill genannten Maschine führte William Boeing am 15. Juni 1916 selbst durch. Die Firmengründung als Pacific Aero Products Company fand ein Monat später statt. Im Jahr darauf wurde das Unternehmen in Boeing Aeroplane Company umbenannt. So, jetzt springen wir ins Hier und Jetzt.

Lobbying als Teil von Governance?

Wie in den Vereinigten Staaten üblich, nimmt auch Boeing mittels Lobbying Einfluss auf die US-Politik und staatliche Beschaffungsmaßnahmen. Vor allem in den Bereichen Rüstung und Raumfahrt: 2018 gab das Unternehmen 15,1 Millionen US-Dollar für Lobbyisten aus und lag damit, gerechnet auf die letzten 20 Jahre, auf Platz 10 aller US-Konzerne. Auch beim Verteilen von Wahlkampfspenden an Vertreter beider großen Parteien, der Republikaner und der Demokraten, macht Boeing keine Ausnahme.

Ein Zeichen der Anerkennung

Boeing Chef Dave Calhoun hat sich kürzlich als Fan der A321XLR, einem Langstreckenflugzeug des Konkurrenten Airbus, geoutet und die Intention geäußert, alsbald ein konzerneigenes Gegenkonzept zu präsentieren. Airbus hat mit der A321XLR einen Nerv getroffen - 450 Bestellungen liegen für den 2023 erwarteten Transatlantiker auf Basis A321neo inzwischen vor. Der Vorsprung von Airbus in diesem Segment ist laut Calhoun für Boeing nicht uneinholbar.

Wie sieht es im “Environment” aus?

Die Auswirkung des Luftverkehrs auf die Umwelt ist ein wichtiges Thema, mit dem sich Boeing intensiv auseinandersetzt. Das Unternehmen konzentriert sich darauf, Fliegen sauberer und effizienter zu gestalten. Ziel ist es, eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung neuer Technologien einzunehmen, die dazu beitragen, Umweltauswirkungen der eigenen Produkte und Dienstleistungen zu verringern. So soll jede neue Produktgeneration um bis zu 15-25 % leiser und Treibstoff-effizienter sein. Dafür wurden seit 2003 über 60 Milliarden US-Dollar investiert.

Boeing spielt eine führende Rolle in den Bemühungen der Branche, nachhaltige Biotreibstoffe, die weder mit der Lebensmittelproduktion noch mit der Nutzung wertvoller Flächen konkurrieren, für den Luftverkehr einzusetzen. Boeing gibt zudem an, dass 90 % der Flugzeugteile vollständig recycelbar sind.

Boeing ist Mitglied der „Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany - aireg e.V.“ – einer Initiative von Fluggesellschaften, Flughäfen, Forschungseinrichtungen sowie der Flugzeugindustrie und weiteren Partnern. Ziel der Initiative ist es, die Entwicklung und Einführung regenerativer Kraftstoffe für den Luftverkehr in Deutschland zu unterstützen sowie Informationen über die Nachfrage, Herkunft, Bereitstellung und Nutzung dieser regenerativen Kraftstoffe bereitzustellen.

Zudem will der amerikanische Flugzeugbauer bis 2030 vollständig mit Öko-Kraftstoffen angetriebene Passagiermaschinen entwickeln. Dafür wurden bereits Tests mit sogenannten nachhaltigen Flugzeugtreibstoffen (SAF) vorgenommen. Zu diesen zählen unter anderem pflanzliche Stoffe, recycelte Haushaltsabfälle und gebrauchtes Küchenöl.

Wie sieht es mit „Social“ aus?

Das Unternehmen zählt bei Diversity & Inclusion zu den Top 50 weltweit und legt hohen Wert auf Sicherheit der Mitarbeiter. 1917 wurde das „Boeing Safety Council“ ins Leben gerufen, das zum Ziel hat, Arbeitsunfälle zu vermeiden, indem Unfallgefahren identifiziert und eliminiert werden.

Soweit alles gut. Oder war da nicht noch was?

Dem Konzern wurde nach dem Absturz zweier 737-Max-Maschinen Vertuschung vorgeworfen. Die US-Staatsanwaltschaft warf Boeing vor, den Aufsichtsbehörden Informationen über das Stabilisierungssystem MCAS vorenthalten zu haben.

Das System hatte bei den zwei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Todesopfern eine entscheidende Rolle gespielt. Es drückt bei einem drohenden Strömungsabriss die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, auch wenn die Piloten gegensteuern. Daraufhin wurde das Unternehmen mit einer Milliardenstrafe und Entschädigungszahlung von 2,5 Milliarden US-Dollar bestraft. Boeing akzeptierte, woraufhin die strafrechtlichen Verfahren gegen das Unternehmen in den USA wegen Verschwörung zum Betrug eingestellt wurden.

Mein Fazit

Boeing ist ein solides Unternehmen mit viel Wachstumspotenzial und guten Bestrebungen hinsichtlich ESG. Ich habe mich beim Voting trotzdem gegen das Unternehmen entschieden, da für mich Transparenz und Sicherheit wesentliche Aspekte sind, die in jeder Unternehmensstruktur verankert sein sollten.

Vor allem wenn Kostenreduktion/-optimierungen zu Lasten der Sicherheit geht, ist für mich eine rote Linie überschritten. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Jeder soll sich seine eigene Meinung dazu bilden. Ich wollte Euch mit dem Beitrag eine möglichst objektive Darstellung des Unternehmens geben. Bin gespannt auf Eure Kommentare, Meinungen und Gedanken dazu.


Das ist Igls

Alter: 32

Beruf: Qualitätsmanager

Interessen: Wirtschaft, Finanzen, Reisen, spannende Lektüren

Bei Own360: seit April 2019

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